Hotel am Pluto

 
Andreas Menke – Schlagzeug   Thomas Schweitzer – Saxophone   Carsten Möller – Gitarre   Michael Voß – Bass   

 

 



Die Musik des Quartetts bietet im Spannungsfeld von Geplantem und Unvorhersehbarem vor allen Dingen eins: 


                                                                                 Schall und Rausch!

 

Ostwestfalenjazz. Schräge Stücke und Improvisationen irgendwo zwischen Köln und Berlin aus der Stadt die es nicht gibt ;)

 

„Alle Achtung, was das Quartett aus Saxophon, Gitarre, Bass und Drums als Band Hotel am Pluto hier anzubieten hat!

Eine verwegene Achterbahnfahrt durch verschiedenste Stilistiken mit einem klaren Bekenntnis zum eher vom Fusion-Rock geprägtem Sound. Von Primus über Steve Coleman über John Zorn zu Don Byron´s Tuskegee Experience in knapp 40 min.

Diese Produktion ist toll produziert und klingt verdammt gut. Die längeren Stücke wurden durch Miniaturen verbunden, was dem Ganzen eine aufgelockerte Atmosphäre verleiht. Man stolpert vom Latin in eine Noise-Wolke, die sich dann im zickig, groovenden Unisono auflöst, um dann schließlich seine Ruhe in einer zuckersüßen getragenen Melodie zu finden. Der rote Faden bleibt immer bestehen, was zeigt, dass die Jungs genau wissen, was sie tun!

Alle vier präsentieren sich als großartige und souveräne Solisten – am bestechendsten jedoch ist das Zusammenspiel der Band, die als hermetischer Klangkörper erscheint.

Ein sehr kurzweiliges Hörvergnügen.

Ich wünsche der Band viele tolle Konzerte und ein langes Bestehen!“

 

Oliver Steidle
November 2016
 

 


Jan Klare, 18.06.2014:

Hotel am Pluto; Sun Ra; Hitchhiker’s Guide to the Galaxy; Albert Ayler; Decoding Society; Klänge, die nicht von diesem Planeten stammen; "Die Welt ist nicht genug“; dieser schnöde banale Alltag kann doch nicht alles gewesen sein. 

Dies sind meine Assoziationsketten, wenn ich den Namen der Bielefelder Band mit der Musik der vorliegenden CD zusammen bringe.

Die Musik des Quartetts entspringt einer Generation  irgendwo in den 60er/ 70er Jahren, der es nicht “vergönnt“ war, sich durch üppigen Konsum von Markenartikeln in eine mentale Umlaufbahn zu beamen, um dem "Schland“ -Einerlei zu entkommen. Eine Generation, die in ihrer Pubertät noch nicht davon träumen konnte, im Kontext einer digitalen Revolution alle ihre Körperzellen als Information abzuspeichern, und dann einen Patchwork-Wunsch-Klon von sich zu erstellen - oder wie man sich sonst heutzutage die Utopie einer bedeutungsvolleren Welt vorstellen könnte.

Ich höre hier Eskapismus der guten Art, ein ernst gemeintes Ringen um Schönheit der anderen Sorte, die sich einer direkten Verwertbarkeit entzieht. Diese Musik kann man nicht primär exotisch nennen, sie ist nicht vordergründig bunt und schillernd - es geht auch nicht darum plakativ revolutionär zu sein und doch steckt in der Musik etwas Auflehnendes. „Hotel am Puto“ formuliert keinen theoretischen gesellschaftlichen Gegenentwurf, sondern beschreibt eine Gefühlswelt, die sich über das uns Umgebende, offensichtlich Materialisierte , direkt Greifbare erhebt. Mir gefällt das.


 

Jamaaladeen Tacuma, 17.06.2014:

Wow, this recording is great. It sounds really good and a lot of energy.


 




Mayday, Mayday!

PLUTO AN ERDE

Raumüberwachung Peripherie an oberste Raumbehörde

Unser Gästehaus am Pluto, das unseren Planeten auf einer Umlaufbahn von 200 km Höhe umkreist, empfängt seit geraumer Zeit akustisches Störfeuer aus dem All, dessen Intensität, sich zunehmend verstärkend, in abgeschwächter Form auch unseren Planeten erreicht. Dieser massive Beschuss kann bisher leider weder geortet noch entschlüsselt werden und entzieht sich seltsamerweise trotz aller zur Verfügung stehender Technik bisher einer Aufzeichnung.

Die Vehemenz der kosmischen Signale ist enorm und macht einen Aufenthalt im Gästehaus immer schwieriger. Die enorme Kraft des Phänomens, gekennzeichnet durch einen treibenden Puls, groovende Beats, kompakte Ostinati, rhythmische Verschiebungen, dazu sporadisch eingeschobene lyrisch anmutende Sequenzen und eruptive Entladungen legt die Vermutung nah, hier sei exoterristische Intelligenz am Werk. Die Komplexität, Radikalität und Kompromisslosigkeit des Materials macht ratlos! Handelt es sich um eine geplante Invasion, einen bevorstehenden Angriff aus dem All oder aber nur um den Versuch einer freundlichen Kontaktaufnahme? Wir wissen es nicht. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste... Möglich auch, dass Protuperanzen Lichtjahre entfernter Sterne oder pulsierende Quasare Ursache des akustischen Bombardements sind. Vielleicht haben sie aber auch ihren Ursprung in den Trancegesängen tanzender Derwische Ostanatoliens oder denen verklärter Mönche im Himalaya, die einmal ins All geschleudert sich irgendwo im interstellaren Raum brechen und tausendmal verstärkt zurückkehren. Der tosende Tumult, versetzt mit subtilen Klängen, der uns hier erreicht, ist jedenfalls massiv.

Da sich diese Geräusche, wie bereits erwähnt, bisher einer Aufnahme entziehen, haben wir die Hotelband des Gästehauses, bestehend aus den Astrogatoren Thomas Schweitzer - Saxophone, Carsten Möller - Gitarre, Michael Voß – Bass und Andreas Menke – Schlagzeug, gebeten, ein akustisches Phantombild dieses tobenden Lärms zu erstellen, was Ihnen erstaunlich gut gelungen ist. Hiermit übersenden wir Ihnen die Aufnahme der Einspielung. Vielleicht gelingt den Geheimdiensten ihres Planeten, die ja auf Datenerfassung spezialisiert sind, eine Zuordnung. Wir alle hoffen auf eine baldige Klärung der Phänomene. Bitte retten Sie uns, Ihr Plutokrisenstab.